Der Himmel über Drakoria brannte.

Nicht mit Feuer.

Sondern mit goldenem Licht.

Tausende Drachen kreisten über den Bergen. Ihre Flügel verdunkelten die Sonne, ihre Schreie erschütterten die Erde.

Doch keiner griff an.

Keiner kämpfte.

Denn alle hatten sich vor einem einzigen Wesen verbeugt.

Amber.

Das kleine Mädchen, das noch vor wenigen Stunden nur eine Tochter gewesen war.

Die Tochter des Drachenkönigs.

Doch jetzt wusste die Welt:

Sie war etwas viel Größeres.

Sie war die Rückkehr des ersten Drachen.


Kael hielt Amber fest in seinen Armen.

Er spürte ihr Herz schlagen.

So klein.

So unschuldig.

Und doch trug sie eine Macht in sich, die älter war als jedes Königreich.

„Daddy…“

Amber sah ihn mit ihren goldenen Augen an.

„Warum haben alle Drachen vor mir gekniet?“

Kael schwieg.

Denn er hatte die Antwort sein ganzes Leben lang gefürchtet.

„Weil sie dich erkannt haben.“

Amber legte den Kopf schief.

„Erkannt als was?“

Kael sah zum Himmel.

Dort schwebte Aurelia.

Der erste Drache.

Die Mutter aller Drachen.

Ein Wesen, das älter war als die Zeit selbst.

„Als ihre Königin.“


TEIL 2 – DIE RÜCKKEHR VON AURELIA

Aurelia begann langsam zu sinken.

Jeder Flügelschlag ließ die Berge erzittern.

Die Menschen flohen.

Die Ritter zogen ihre Waffen.

Doch Kael hob seine Hand.

„Niemand greift an.“

General Rowan sah ihn überrascht an.

„Aber Majestät… dieses Wesen könnte das gesamte Königreich zerstören.“

Kael blickte auf Amber.

„Nein.“

Seine Stimme wurde leise.

„Sie könnte es retten.“


Aurelia landete vor Amber.

Der Boden zerbrach unter ihrem Gewicht.

Ihre goldenen Augen betrachteten das Kind.

Dann senkte sie ihren riesigen Kopf.

„Nach tausend Jahren…“

Ihre Stimme hallte über das Land.

„Ist mein Blut zurückgekehrt.“

Amber trat vorsichtig näher.

Kael wollte sie aufhalten.

Doch Amber legte ihre kleine Hand auf die Nase des gewaltigen Drachen.

Sofort begann Aurelias Körper zu leuchten.

Eine uralte Erinnerung erschien.

Ein Bild aus einer vergessenen Zeit.

Eine Welt, in der Drachen und Menschen zusammenlebten.

Eine Welt ohne Krieg.

Eine Welt, die durch Verrat zerstört wurde.


TEIL 3 – DAS GEHEIMNIS VON KAELS MACHT

Elara beobachtete alles.

Ihr Gesicht war voller Wut.

„Nein…“

Seraphine, die noch immer am Boden lag, sah sie an.

„Was passiert?“

Elara ballte ihre Hände.

„Sie hat die Kontrolle verloren.“

Seraphine verstand nicht.

„Aber wir haben doch bekommen, was wir wollten.“

Elara schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Ihre Augen wurden dunkel.

„Wir wollten die Macht des ersten Drachen.“

Sie sah zu Amber.

„Aber wir haben vergessen, dass der erste Drache niemals jemandem gehorcht.“

Eine Pause.

„Nicht einmal mir.“


Kael drehte sich zu Elara.

„Du hast Amber benutzt.“

Seine Stimme war kalt.

Elara sah ihren Sohn an.

„Ich habe sie vorbereitet.“

„Du hast meine Tochter verletzt.“

„Ich habe ihr gezeigt, was sie wirklich ist.“

Kael zog sein Schwert.

Die goldenen Flammen erschienen.

„Du bist nicht mehr meine Mutter.“

Elara lächelte traurig.

„Und du bist nicht mehr der Sohn, den ich großgezogen habe.“


TEIL 4 – DER KRIEG DER SCHATTENARMEEN

Plötzlich verdunkelte sich der Himmel.

Doch diesmal war es nicht wegen Aurelia.

Schwarze Wolken näherten sich aus dem Norden.

Ein Meer aus Schiffen.

Kriegern.

Magiern.

Und Kreaturen der Dunkelheit.

Rowan wurde blass.

„Majestät…“

Kael sah zum Horizont.

Er wusste sofort, wer es war.

„Die Schattenlegion.“

Amber blickte ihn an.

„Warum kommen sie?“

Kael kniete sich vor sie.

„Wegen dir.“

Amber wurde traurig.

„Weil ich ein Drache bin?“

Kael schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Er legte seine Hand auf ihr Gesicht.

„Weil Menschen immer Angst vor Dingen haben, die sie nicht verstehen.“


Der Anführer der Armee erschien über dem Schlachtfeld.

Ein Mann mit schwarzer Rüstung.

Sein Name war Malakar.

Der letzte Herrscher der Schattenlande.

Er lachte.

„Kael.“

Der Drachenkönig trat vor.

„Malakar.“

„Du hast die ganze Zeit geglaubt, du könntest sie verstecken.“

Er zeigte auf Amber.

„Aber das Universum selbst hat sie gefunden.“


TEIL 5 – AMBER ERWACHT

Die Schlacht begann.

Drachen kämpften gegen Schattenwesen.

Magier kämpften gegen dunkle Krieger.

Der Himmel wurde rot.

Kael kämpfte wie nie zuvor.

Doch Malakar war zu stark.

Er schlug Kael nieder.

„Du bist nur der Wächter.“

Malakar trat näher.

„Sie ist die wahre Macht.“

Er zeigte auf Amber.

Kael stand wieder auf.

„Du wirst sie niemals bekommen.“

Malakar lächelte.

„Ich muss nicht.“

Er blickte zu Amber.

„Sie wird freiwillig zu mir kommen.“

Amber trat vor.

Alle verstummten.

„Warum?“

Malakar sah sie an.

„Weil du eines Tages erkennen wirst, dass du nicht zu ihnen gehörst.“

Er zeigte auf die Menschen.

„Du bist kein Mensch.“

Dann auf Kael.

„Und du bist nicht nur eine Tochter eines Königs.“

Amber sah zu Kael.

Tränen erschienen in ihren Augen.

„Daddy… stimmt das?“

Kael ging zu ihr.

„Was auch immer passiert…“

Er kniete vor ihr.

„Du bist meine Tochter.“


TEIL 6 – DIE WAHL DER ERSTEN DRACHENKÖNIGIN

Aurelia erschien erneut.

„Amber.“

Das Mädchen blickte auf.

„Ja?“

„Du musst wählen.“

Amber verstand nicht.

„Was wählen?“

Der erste Drache antwortete:

„Macht.“

Eine goldene Energie erschien.

„Oder Liebe.“

Dann zeigte Aurelia auf Kael.

„Herrschaft.“

Dann auf die Welt.

„Oder Familie.“


Alle warteten.

Selbst Malakar.

Denn jeder wusste:

Die Entscheidung dieses Kindes würde die Zukunft aller Wesen bestimmen.

Amber ging langsam zu Kael.

Sie nahm seine Hand.

„Ich brauche keine Krone.“

Kael sah sie überrascht an.

„Keine Macht.“

Sie blickte zu Aurelia.

„Keine Armee.“

Dann sah sie zu den Drachen.

„Ich will nur, dass niemand mehr Angst haben muss.“


In diesem Moment erwachte die wahre Kraft des ersten Drachen.

Nicht Zerstörung.

Nicht Herrschaft.

Sondern Verbindung.

Alle Drachen auf der Welt spürten sie.

Jeder Drache hörte ihre Stimme.

Und jeder verstand:

Die neue Herrscherin wollte keine Untertanen.

Sie wollte Frieden.


TEIL 7 – DER FALL DER SCHATTENKÖNIGE

Malakar schrie.

„Unmöglich!“

Er griff Amber an.

Doch bevor seine Waffe sie erreichen konnte, stellte sich Kael vor sie.

Der Angriff traf ihn.

„Daddy!“

Kael fiel.

Amber fing ihn auf.

Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte sie Angst.

Nicht um sich selbst.

Sondern um jemanden anderen.

Ihr goldenes Licht explodierte.


Die gesamte Schattenarmee erstarrte.

Amber ging langsam auf Malakar zu.

„Du hast vergessen, was Drachen wirklich sind.“

Malakar zitterte.

„Was?“

Amber sah ihn an.

„Nicht Monster.“