Der Himmel über Eldoria wurde schwarz.
Nicht wegen der Nacht.
Sondern wegen der Dunkelheit, die sich wie ein lebendiger Schatten über das Königreich legte.
Die Menschen in der Großen Halle standen bewegungslos.
Niemand wagte zu atmen.
Vor ihnen stand ein Drache.
Der letzte Drache der Welt.
Und vor ihm stand Prinz Adrian Vale.
Ein Junge, der noch vor wenigen Minuten geglaubt hatte, seine größte Herausforderung wäre eine Krönungszeremonie.
Jetzt wusste er:
Sein ganzes Leben war eine Lüge gewesen.
„Mutter…“
Adrian sah Königin Elena an.
Seine Stimme war kaum hörbar.
„Was bin ich?“
Elena konnte ihn nicht ansehen.
Tränen liefen über ihr Gesicht.
„Du bist mein Sohn.“
Adrian schüttelte den Kopf.
„Das beantwortet meine Frage nicht.“
Der Drache hinter ihm senkte langsam seinen Kopf.
„Er ist das, was die Welt vergessen wollte.“
Alle sahen ihn an.
„Er ist der letzte Erbe der Drachenkönige.“
Ein Raunen ging durch die Halle.
Die Ritter wichen zurück.
Die Adligen begannen zu flüstern.
„Drachenblut…“
„Das ist unmöglich…“
„Die Drachen wurden ausgelöscht…“
Der Drache blickte sie kalt an.
„Nein.“
Seine Stimme donnerte.
„Sie wurden verraten.“
TEIL 3 – DIE SÜNDE DER ALTEN KÖNIGE
Adrian konnte sich nicht bewegen.
Alles, was er über seine Familie wusste, zerfiel.
Sein Vater.
Der große König Marcus Vale.
Der Mann, den alle als Helden verehrten.
War nicht einfach ein Mensch gewesen.
Er war der letzte Drachenkönig.
„Warum hat Vater mir nie etwas erzählt?“, fragte Adrian.
Der Drache schloss die Augen.
„Weil er dich schützen wollte.“
„Vor wem?“
Der Drache sah zum schwarzen Himmel.
„Vor dem Schattenkönig.“
Ein eisiger Wind strömte durch die Halle.
„Vor dreihundert Jahren führte der Schattenkönig eine Armee aus Dunkelheit gegen Eldoria.“
„Die Drachen kämpften.“
„Die Menschen kämpften.“
„Doch am Ende geschah der größte Verrat in der Geschichte.“
Adrian hörte aufmerksam zu.
„Die Menschen hatten Angst vor der Macht der Drachen.“
Der Drache senkte den Kopf.
„Also töteten sie ihre eigenen Verbündeten.“
Stille.
„Deine Vorfahren löschten fast meine gesamte Art aus.“
Adrian sah auf das Schwert in seiner Hand.
„Und warum hilfst du mir dann?“
Der Drache antwortete:
„Weil dein Vater anders war.“
Seine goldenen Augen wurden weich.
„Er wollte den Fehler der Vergangenheit wiedergutmachen.“
TEIL 4 – DER ANGRIFF DES SCHATTENKÖNIGS
Ein gewaltiger Schlag erschütterte das Schloss.
Die Mauern brachen.
Die Schattenwesen drangen durch die Fenster.
Ritter kämpften gegen Kreaturen, die nicht aus Fleisch bestanden.
Sie waren lebendige Dunkelheit.
Königin Elena zog ihr Schwert.
„Alle Bürger in die Schutzräume!“
Doch Lucien Varr, der Kanzler, blieb stehen.
Sein Gesicht war seltsam ruhig.
Adrian bemerkte es.
„Du hast keine Angst.“
Lucien lächelte.
„Nein.“
Langsam zog er seine Kapuze zurück.
Auf seiner Haut erschien ein schwarzes Zeichen.
Das gleiche Symbol, das am Himmel erschienen war.
Elena erstarrte.
„Lucien…“
Der Kanzler lachte.
„Jahrzehnte habe ich gewartet.“
Adrian hob das Schwert.
„Du arbeitest für den Schattenkönig.“
Lucien verbeugte sich.
„Ich diente immer dem wahren Herrscher dieser Welt.“
Der Drache knurrte.
„Verräter.“
Lucien grinste.
„Nein. Ich bin der Einzige, der verstanden hat, dass Licht und Drachen immer zerstören werden.“
Dann öffnete sich hinter ihm ein schwarzes Portal.
Eine Stimme erklang.
Tief.
Alt.
Grausam.
„Endlich sehe ich dich, kleiner Drache.“
TEIL 5 – DER SCHATTENKÖNIG
Aus dem Portal trat ein Mann.
Eine schwarze Rüstung bedeckte seinen Körper.
Seine Augen waren leer wie die Nacht.
Der Schattenkönig.
Der Feind, vor dem ganze Generationen Angst gehabt hatten.
Er sah Adrian an.
Und lächelte.
„Du erinnerst mich an deinen Vater.“
Adrian umklammerte das Schwert.
„Ich bin nicht wie er.“
Der Schattenkönig lachte.
„Noch nicht.“
Er hob seine Hand.
Die Schattenwesen stoppten.
„Weißt du, warum dein Vater starb?“
Adrian wurde still.
„Er hat versucht, die Wahrheit zu enthüllen.“
Der Schattenkönig trat näher.
„Er wollte den Menschen erzählen, dass ihre Helden in Wirklichkeit Verräter waren.“
Elena schrie:
„Lügner!“
Der Schattenkönig sah sie an.
„Du warst dabei, Königin Elena.“
Sie wurde blass.
Adrian sah seine Mutter an.
„Was meint er?“
Elena schwieg.
Und dieses Schweigen sagte alles.
TEIL 6 – DIE VERBORGENE ERINNERUNG
In dieser Nacht erzählte Elena Adrian die Wahrheit.
Sein Vater war nicht im Krieg gefallen.
Er wurde ermordet.
Von Menschen, die Angst vor der Rückkehr der Drachen hatten.
Marcus Vale hatte entdeckt, dass der Schattenkönig zurückkehren würde.
Er wusste:
Nur jemand mit Drachenblut konnte ihn besiegen.
Also versteckte er Adrian.
Er ließ ihn als normalen Prinzen aufwachsen.
Damit niemand ihn finden konnte.
„Ich wollte dir deine Kindheit lassen“, sagte Elena.
Adrian sah sie traurig an.
„Aber du hast mir meine Wahrheit genommen.“
Elena senkte den Kopf.
„Ich weiß.“
TEIL 7 – DIE REISE ZUM LETZTEN NEST
Um den Schattenkönig zu besiegen, musste Adrian einen Ort erreichen, den seit Jahrhunderten niemand betreten hatte.
Das Tal der ersten Drachen.
Gemeinsam mit dem Drachen, dessen Name Arkan war, verließ Adrian Eldoria.
Auf ihrer Reise lernte er seine neue Macht kennen.
Er konnte Feuer kontrollieren.
Er konnte die Sprache der Drachen verstehen.
Und er konnte die Erinnerungen seiner Vorfahren sehen.
Doch jede Macht hatte einen Preis.
Denn je stärker sein Drachenblut wurde, desto mehr verlor er seine menschliche Seite.
Eines Nachts fragte Arkan:
„Hast du Angst?“
Adrian sah ins Feuer.
„Ja.“
Der Drache war überrascht.
„Ein wahrer Krieger hat keine Angst.“
Adrian schüttelte den Kopf.
„Doch.“
Er sah ihn an.
„Aber er lässt sich nicht von ihr beherrschen.“
Zum ersten Mal seit Jahrhunderten lächelte der Drache.
TEIL 8 – DIE SCHLACHT DER LETZTEN DRACHEN
Der Schattenkönig griff Eldoria an.
Die Burg fiel.
Die Menschen verloren die Hoffnung.
Doch dann kehrte Adrian zurück.
Nicht als Junge.
Nicht als Prinz.
Sondern als Erbe der Drachen.
Der Himmel wurde von riesigen Schatten erfüllt.
Dann ertönte ein anderes Geräusch.
Ein Gebrüll.
Arkan flog über Eldoria.
Und hinter ihm erschienen weitere Drachen.
Nicht lebendig.
Sondern aus Licht.
Die Geister der alten Drachen.
Die letzten Erinnerungen einer verlorenen Rasse.
Der Schattenkönig erstarrte.
„Unmöglich.“
Adrian hob Morgenfeuer.
„Du hast geglaubt, du hättest sie ausgelöscht.“
Goldene Flammen umgaben ihn.
„Aber Legenden sterben nicht.“
TEIL 9 – DER LETZTE KAMPF
Der Schattenkönig und Adrian standen sich gegenüber.
Dunkelheit gegen Licht.
Hass gegen Hoffnung.
Der Kampf erschütterte die Welt.
Jeder Schlag ließ Berge erzittern.